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Erdbeben!

Als ich im März 2020 über das Erdbeben in Zagreb gepostet hatte, hätte ich nie im Leben gedacht, das selbe noch mal zu machen, 9 Monate später. Gestern, am Dienstag, den 29.12. hat die Städte Petrinja, Glina und Sisak, wie auch unzählige umliegende Dörfer ein Erdbeben der Stärke 6.2 nach der Richterskala getroffen. Es war so stark, dass man es kilometerweit noch gespürt hat – in Österreich, Ungarn, Serbien, Bosnien und Italien. In Zadar saß ich gerade im geparkten Auto als es anfing zu schaukeln, kein Donnern, kein Grummeln, nur ein leichtes schaukeln, als wenn man bei starker Bora den Velebit hinunterfährt. Es war aber windstill.
 
Petrinja, Glina und Sisak liegen etwa 60 km südöstlich von der Hauptstadt Zagreb, und 310 km nordöstlich von uns entfernt. Es sind kleine Städtchen, kleiner als Zadar, Petrinja hat etwa 25.000 Einwohner, Glina 10.000 und Sisak etwa 50.000. Die gesamte Gespanschaft Sisačko-Moslovačka zählt etwa 173.000 Einwohner. Man befürchtet, dass bis zu 100.000 Menschen vom Erdbeben betroffen sind.
Es ist eine der ärmeren Gespanschaften von Kroatien. Sisak war mal Zentrum der Ölindustrie und dort ist auch heute eine Raffinerie des Ölkonzerns INA, während in Petrinja Sitz des Lebensmittelgiganten Gavrilović ist. Na ja, Giganten sind beide schon lange nicht mehr. Die Mehrheit der Einwohner sind heute Bauern oder arbeiten in kleinen Betrieben und in der Staatsverwaltung.
 
Während des Kroatienkrieges 1991-95 waren Petrinja und Glina komplett zerstört, Sisak stark beschädigt. Diese Zerstörungen waren bis heute, 25 Jahre später, zum Teil noch nicht ganz saniert.
 
Und jetzt ist wieder alles kaputt!
 
Was heute noch steht, sind die neueren Häuser, stark gebaut mit Beton und Stahl. Aber die traditionellen Häuser, die historischen Gebäude werden mit Ziegeln gebaut, auf Holzbalken. Und die sind fast komplett zerstört. Die historischen Stadtzentren sind kaum wiederzuerkennen.
 
Wir sind geschockt! Es gab zwar am Montag schon zwei mittelstarke Erdbeben von 4.7 und 5.2. nach der Richterskala, aber niemand hatte damit gerechnet, dass Tags darauf noch ein viel stärkeres passiert. Die Menschen waren zwar auf der Hut und haben versucht sich zu schützen so gut es ging. Glück im Unglück war, dass das dritte Erdbeben um die Mittagszeit passierte und viele Menschen draußen waren. Es gab aber 7 Tote und zwei Dutzend Verletzte.
 
Die Hilfewelle rollte sehr schnell an, buchstäblich 5 Minuten später. Unzählige Hilfskräfte sind gleich in die Region aufgebrochen, aus ganz Kroatien kamen die Bergwacht mit ihren Spürhunden, die Feuerwehren, Ambulanzen, und speziell ausgebildete Hilfskräfte. Wir Bürger haben sofort Spendenaktionen gestartet. In allen Städten wurden Sammelstellen organisiert um die akute Not zu lindern und schnelle Hilfe zu starten.
Immerhin sind draußen winterliche Temperaturen, und eine Schlechtwetterfront mit Regen und Schnee ist für den Rest der Woche angesagt. Ich selber war heute im Freiwilligendienst auf einer Sammelstelle um die Flut von Hilfsgütern zu sortieren und wetterfest einzupacken. Die Hilfe ist überwältigend!
Schon am selben Abend sind die ersten Kombis und Lastwagen (alles gespendet von kleinen Betrieben) im Erdbebengebiet eingetroffen. Heute sind schon Foodtrucks eingetroffen, Zelte sind aufgestellt und Verpflegung kommt organisiert und z.T. fertig gekocht aus Zagreb. Im Erdbebengebiet ist leider die Stromversorgung zusammengebrochen und Wasser muss von Zisternen angefahren werden.
Die betroffenen Einwohner sind in den unbeschädigten Kasernen und Sporthallen untergebracht worden. Das Krankenhaus in Sisak ist schwer beschädigt und die Patienten wurden nach Zagreb verlegt. Viele Mitbürger aus den Touristenzentren haben ihre Ferienwohnungen zur Verfügung gestellt, nehmen besonders Familien mit kleinen Kindern auf. Für die Bauern wurden heute gespendete Wohnwagen und kleine Containerhäuschen gebracht, sie müssen auf ihren Höfen bleiben um die Tiere versorgen zu können.
 
Der Wiederaufbau wird schwer und lang. Man fragt sich, was beschert uns das Jahr 2020 denn noch; fast hätten wir es geschafft.
Falls Sie gerne für die Erdbebenopfer spenden möchten, können Sie das über das Kroatische Rote Kreuz tun. Sie haben einen Spendenaufruf auf der offiziellen Homepage eingerichtet mit Spendenkonto.
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Wir sagen Danke! für jede noch so kleine Spende, jedes Gebet und jede gute Vibration, die Sie in diese unsere kleine Ecke der Welt schicken!

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